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LPZ-Erhebung: Pflegeproblemen - Mangelernährung

Mangelernährung

Der Begriff “Mangelernährung’ bedeutet wortwörtlich: „ein körperlicher Zustand, der auf einen Mangel an Nährstoffen zurückzuführen ist und eine verringerte biologische Funktion zur Folge hat“ (Verheul-Koot, Vlasblom-Verwimp, Smeets-van der Lubbe, & Vlis-Vester van der, 1999, S. 23). Mangelernährung wird auch umschrieben als: „ein Ernährungszustand aufgrund einer defizitären oder unausgewogenen Energie-, Protein- und sonstigen Nährstoffbilanz mit einer nachweislich negativen Wirkung auf Körper und Gewebe (Körperform, Körpergröße und Körperzusammensetzung) sowie die Körperfunktion und den Verlauf von Krankheiten“ (Elia, 2000).

In Deutschland ist folgende Definition vorherrschend: Mangelernährung ist ein "anhaltendes Defizit an Energie und/oder Nährstoffen im Sinne einer negativen Bilanz zwischen Aufnahme und Bedarf mit Konsequenzen und Einbußen für Ernährungszustand, physiologische Funktionen und Gesundheitszustand" (Bartholomeyczik et al. 2008)

Mangelernährung infolge von Krankheit wird auch als klinische Depletion (Verminderung körpereigener Stoffe) bezeichnet und kann in eine chronische Form (Marasmus) und eine akute Form (Kwashiorkor) der Mangelernährung unterschieden werden. Die chronische Form der Mangelernährung, Marasmus, ist ein körperlicher Zustand, der durch einen Mangel an Fett- und Muskelmasse gekennzeichnet ist, während die Plasmaproteinwerte relativ normal sind. In Pflegeeinrichtungen ist das Marasmusproblem nicht nur auf eine zu geringe Nahrungsaufnahme zurückzuführen. Marasmus kann auch eine Folge der Erkrankung selbst sein, wenn von Gewebeabbau die Rede ist, der zu einem Verlust von Körpereiweißen führt. Die akute Form der Mangelernährung (Kwaschiorkor = Proteinmangelernährung) beruht auf einem Proteinmangel, während zugleich ausreichend Kohlenhydrate und Fette als Energiequelle zur Verfügung stehen. Diese Form der Mangelernährung entsteht bei einer akuten Erkrankung oder größeren Operationen. Dabei kommt es zum umfassenden Gewebeabbau einschließlich des Abbaus von Körpereiweißen, sogar dann, wenn ausreichend Nahrung aufgenommen wird. Die Mangelernährung ist in dem Fall nicht auf eine unzureichende Nahrungsaufnahme sondern auf eine Erkrankung zurückzuführen. Im Vergleich zur chronischen Form ist der Patient/Bewohner bei einer akuten Mangelernährung nicht unbedingt abgemagert.

Mangelernährung wird hauptsächlich mit Ländern der so genannten Dritten Welt in Verbindung gebracht. Es überrascht deshalb, dass Mangelernährung auch in westlichen Pflegeeinrichtungen zum Problem werden kann. Eine englische Studie beschrieb bereits 1994, dass 40 Prozent der Patienten in Krankenhäusern an Mangelernährung leiden (Mc Whirter, 1994). Doch nicht nur in Krankenhäusern tritt dieses Problem auf, auch in Pflegeeinrichtungen und Pflegeheimen sowie der ambulanten Pflege sind viele (ältere) Menschen mangelernährt. 2001 ergab eine von der Nederlandse Vereniging van Diëtisten (niederländischer Verband der DiätassistenInnen, kurz NVD) durchgeführte Studie, dass etwa 25% aller Patienten/Bewohner in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und in der ambulanten Pflege sowie der von Hausärzten betreuten Patienten/Bewohner an einer leichten oder schweren Mangelernährung litten (Kruizenga et al., 2003). International schwanken die Prävalenzangaben zu Mangelernährung bei BewohnerInnen in Altenheimen zwischen 40% und 85% (Schreier et al. 2004). Die Ergebnisse der LPZ-Erhebung 2006 zeigen, dass mehr als einer von drei Patienten/Bewohnern im Hinblick auf Mangelernährung risikogefährdet ist und etwa einer von vier Patienten/Bewohnern tatsächlich mangelernährt ist. Diese Ergebnisse dürften als alarmierend bezeichnet werden.

Eine ausreichende und vielseitige Ernährung sowie eine angemessene Ernährungstherapie können den Heilungsprozess unterschiedlicher Erkrankungen unterstützen und dazu beitragen, Komplikationen zur verhindern (Cederholm, Jagren & Hellstrom, 1995; Naber, Schemer, Bree, Nusteling, Eggink & Kruimel, 1997). Hinzu kommt, dass die Dauer der Krankenhausaufnahme bei schlecht ernährten Patienten im Vergleich zu normal ernährten Patienten wesentlich länger ist (Tucker & Miguel, 1996). Grund genug, um dem Thema Mangelernährung in Gesundheitseinrichtungen im Rahmen der LPZ-Erhebung besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Niederländische Projekte wie das Pflegeprojekt "Essen und Trinken" vom niederländischen Institut für Pflege und Wohlfahrt (NIZW) und das Projekt "Wer sich besser ernährt, wird schneller wieder besser" im Bereich der Krankenpflege sind auf ein verstärktes Screening auf Mangelernährung und die Förderung der Implementierung einer adäquaten Ernährungsstrategie ausgerichtet. Auch in Deutschland wird derzeit (2007/08) im Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) ein Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ erarbeitet, ein interdisziplinär orientiertes Qualitätsniveau für die stationäre Altenpflege wurde in 2008 veröffentlicht (Bartholomeyczik et al. 2008).

Die LPZ-Erhebung dient als wichtiges Instrument zur Auswertung und Überwachung. Das Screening stellt ein wichtiges Element dar, um Patienten und Bewohner mit einem Ernährungsrisiko frühzeitig zu erkennen, durch eine adäquate Behandlung weitere Komplikationen zu verhindern und den Heilungsprozess von Krankheiten zu fördern (Cederholm et al., 1995; Naber et al., 1997).

Erhebung

Im allgemeinen Teil der LPZ-Erhebung wird zunächst die Prävalenz von Mangelernährung erfasst.
Das Modul Mangelernährung geht anschließend tiefer auf die Merkmale, das Screening, die Prävention und die Behandlung von Mangelernährung ein. Auf Einrichtungsebene und auf der Ebene der Stationen und Wohnbereiche wird schließlich eine Anzahl von Qualitätsindikatoren erhoben. Das Modul bietet der Einrichtung einen Einblick, warum von einer hohen oder niedrigen Prävalenz die Rede ist und in welcher Hinsicht Fortschritte möglich sind, um die Qualität der Pflege auf dem Gebiet von Mangelernährung zu optimieren. Die jährliche Erhebung dieses Moduls ermöglicht es, Interventionen auszuwerten und zu überwachen, um das Problem der Mangelernährung innerhalb der eigenen Einrichtung auf kontinuierliche Weise nachhaltig zu lösen.

Literaturverzeichnis

  • Elia M. (2000). Guidelines for detection and management of malnutrition. Malnutrition Advisory Group (MAG), standing committee of BAPEN: Maidenhead.
  • Cederholm T, C Jägrén, K Hellström (1995). Outcome of protein-energy malnutrition in elderly medical patients. American Journal of Medicine, 98(1): 67-74.
  • McWhirter JP, CR Pennington (1994). Incidence and recognition of malnutrition in hospital. British Medical Journal, 308(6934): 945-48.
  • Naber THJ, T Schermer, A Bree, K Nusteling, L Eggink, JW Kruimel et al. (1997). Prevalence of malnutrition in nonsurgical hospitalized patients and its association with disease complications. American Journal of Clinical Nutrition, 66(5): 1232-9
  • Kruizenga HM, NJ Wierdsma, MAE van Bokhorst-de van der Schueren, HJ Hollander, CF Jonkers-Schuitema, E van der Heijden, et al. (2003). Screening van de voedingstoestand in Nederland. Nederlands Tijdschrift voor Diëtisten, 58(1): 5-11. 
  • Stegeman, N. E., Oude Elferink-Smeets, H. M. A., & Haakman-van Thiel, N. (1992). Voeding bij gezondheid en ziekte: handboek voor de gezondheidszorg. Groningen: Wolters-Noordhoff
  • Schreier, M. M., & Bartholomeyczik, S. (2004). Mangelernährung bei alten und pflegebedürftigen Menschen. Hannover: schlütersche.
  • Tucker HN. Cost containment through nutritional intervention. Nutrition Reviews 1996; 54: 111-121.
  • Verheul-Koot, M. A., Vlasblom-Verwimp, J. J. M., Smeets-van der Lubbe, E. M. A., & Vlis-Vester van der, E. C. (1999). Nutricia Vademecum deel 2 - Voeding en ziekte. Maarssen: Elsevier.
  • Volkert D, Hubsch S, Oster P, Schlierf G. (1992) Malnutrition in geriatric patients: diagnostic and prognostic significance of nutritional parameters. Annals of Nutrition and Metabolism, 36: 97-112.\

Deutsche Publikationen zum Thema Mangelernährung

  • Bartholomeyczik, S., Schreier, M. M., Halek, M., Flora, B., Calero, C., Cramer, H., Ganz, U., Hunstein, D., Dintelmann, Y., Herbart-Hermann, M., Wagner, A., Isfort, M., Rosner, J.-M., Urselmann, H.W., Vollmer, A. (2005), Positionspapier zur MDS Grundsatzstellungnahme "Ernährung und Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen", Pflege Zeitschrift, 58, S. 1-8
  • Bartholomeyczik, S., Schreier, M. M., Volkert, D., Bai, J. C. (2008),  Qualitätsniveau II, Orale Nahrungs- und Flüssigkeitsversorgung von Menschen in Einrichtungen der Pflege und Betreuung, Economica Hüthig Rehm Jehle Verlag, Heidelberg
  • Gofferje, H., Morsdorf, J., Lang, E. (1980), Mangelernährung im Alter - Diagnostik und Therapie, Z Gerontol Geriat, 13(1), S. 52-61
  • Norman, K., et al. (2006), Zusammenhang zwischen Ernährungszustand, Funktionalität und Lebensqualität bei älteren Heimbewohnern, World J Gastroenterol, 31(3)
  • Pirlich, M., et al. (2003), DGEM-Leitlinie Enterale Ernährung - Ernährungsstatus, in Leitlinie Enterale Ernährung, Lochs, H., Lübke, H., Weimann, A. H. (Hrsg.) (2003), Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York. S. 10 - 25
  • Schreier, M. M. (2003), Mangelernährung muss nicht sein, Pflege Aktuell, 56, S. 632-637
  • Schreier, M. M. (2004), Prävention von Mangelernährung in Pflegeeinrichtungen - Vorhandenes Wissen nutzen, um neue Strategien zu entwickeln, Magazin Stoma und Inkontinenz, 34, S. 8-10
  • Schreier, M. M. (2005), Mangelernährung bei alten Menschen, PRO ALTER, S. 33-35
  • Schreier, M. M. (2007), Erfassung der Ernährungssituation - Screening und Assessment, in: Dieffenbach S. et al., Management Handbuch Pflege, Eonomica, Verlagsgruppe Hütig Jehle Rehm GmbH, Heidelberg
  • Schreier, M. M. (2007), Erfassung der Ernährungssituation - Screening und Assessment, in: Robert Bosch Stiftung (Hrsg.), Ernährung bei Demenz, Hans Huber Hogrefe AG, Bern
  • Schreier, M. M. (2007), Erfassung der Ernährungssituation bei alten Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen, PrInterNet, 1, S. 24-30
  • Schreier, M. M. (2008), Welche Assessmentinstrumente gibt es? Formen und Anwendungsbereiche, Lehreinheit 1: Pflegebedarf einschätzen - Pflegerisches Assessment, CNE Fortbildung und Wissen für Pflege, 1, S. 1-16
  • Schreier, M. M. et al. (2003), Positionspapier der Pflegeassessmentgruppe Deutschland zur Grundsatzstellungnahme 'Ernährung und Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen', Abschlussbericht Projektgruppe P 39 des Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS), Pflege Zeitschrift, 58 (7), S. 1-8
  • Schreier, M. M., Bartholomeyczik, S. (2004), Mangelernährung bei alten und pflegebedürftigen Menschen, Schlütersche, Hannover
  • Schreier, M. M., Bartholomeyczik, S. (2008), Die Rolle der Pflege bei der Ernährung im Krankenhaus, Aktuelle Ernährungsmedizin, 33, S. 70-74
  • Schreier, M. M., Bartholomeyczik, S., Halek, M. (2005), Positionspapier zur Grundsatzstellungnahme "Ernährung und Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen", PrInterNet, 7, S. 423-429
  • Schreier, M. M., Bartholomeyczik, S., Volkert, D. (2008), Instrumente zur Qualitätssicherung bei der Ernährungsversorgung - Relevanz für das Pflegemanagement, in: Dieffenbach et al., Management Handbuch Pflege, Verlagsgruppe Hütig Jehle Rehm GmbH, Heidelberg
  • Volkert, D. (1997), Ernährung im Alter, Quelle & Meyer Verlag & Co., Wiesbaden

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