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LPZ-Erhebung: Pflegeproblemen - Inkontinenz

Inkontinenz

Inkontinenz ist der ungewollte Verlust von Urin und/ oder Fäkalien. Der Begriff „Inkontinenz“ leitet sich vom lateinischen Wort „incontinens“ ab und bedeutet „nicht bei sich behalten“ oder „keine Kontrolle haben über“. Inkontinenz kommt in allen Altersgruppen vor, kann viele Ursachen haben und in unterschiedlichen Formen auftreten.

Nach Schätzung sind in den Niederlanden rund 800.000 Menschen mehr oder weniger inkontinent (de Wit, 2003). In Deutschland wird für Frauen eine Prävalenz von ca. 35% angegeben, wobei jünge Frauen deutlich weniger und ältere Frauen mit bis zu 50% deutlich häufiger an Harninkontinenz leiden. Bei Männern kommt Harninkontinenz deutlich seltener vor, ab dem 70. Lebensjahr 8 % bis zu 43% (DNQP 2007), Damit stellt Inkontinenz ein umfangreiches Gesundheitsproblem dar, dass häufig zu einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität der Betroffenen führt. Die praktischen und hygienischen Probleme, die mit Inkontinenz verbunden sind, gehen häufig mit Schamgefühl, Stigmatisierung, Depressionen, physischen Einschränkungen, einer eingeschränkten Mobilität, Harnwegsinfektionen, sozialer Isolation, Einschränkungen im täglichen Leben, Einschränkungen auf sexuellem Gebiet und einer eingeschränkten Selbstständigkeit einher (Niederländischer Gesundheitsrat, 2001).

Die Hemmschwelle Hilfe zu suchen, ist bei Inkontinenz besonders hoch. Viele Betroffene, die unter einer Inkontinenz leiden, verschweigen dies vor ihrer Umgebung aus Scham, weil sie Unverständnis befürchten oder Angst haben, abgewiesen zu werden. Jährlich konsultieren in den Niederlanden etwa 64.000 neue Patienten/Bewohner im Zusammenhang mit einem ungewollten Harnverlust ihren Hausarzt (Du Moulin, 2005). Die Zahl der Inkontinenzbetroffenen, die tatsächlich neu hinzukommen, liegt wahrscheinlich höher.

Inkontinenz kann negative Folgen nach sich ziehen. Dabei ist insbesondere der dauerhafte Kontakt der Haut mit Urin häufig mit auftretenden Hautschädigungen verbunden. Durch die ätzende und feuchte Wirkung von Urin wird die Haut aufgeweicht. Es kommt zu Rötungen und einer Schädigung der oberflächigen Hautschichten. Die Schädigungen können sehr schmerzhaft sein und beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten/Bewohner.
Inkontinenz kennt verschiedene Formen. Die LPZ-Erhebung geht von der folgenden Einteilung aus: 

Urininkontinenz: Mindestens 3 bis 4 Mal monatlich ungewollter Harnverlust.
Stuhlinkontinenz: Mindestens 3 bis 4 Mal monatlich ungewollter Stuhlabgang.
Doppelinkontinenz: Personen, die sowohl unter Urin- als auch Stuhlinkontinenz leiden.

 

Untersuchungen haben ergeben, dass mehrere Faktoren einen Einfluss auf die Prävalenz der Inkontinenz haben. So steigt beispielsweise die Zahl der Inkontinenzbetroffenen mit zunehmendem Alter. Da sich die Zahl der älteren Menschen in den kommenden Jahren verdoppelt, ist davon auszugehen, dass die Prävalenz von Inkontinenz weiter ansteigen wird (Getliffe & Dolman, 2003; Holroyd-Leduc & Straus, 2004; Laycock & Haslam, 2004; LPZ, 2005). Neben dem Alter ist auch das Geschlecht von Bedeutung. Frauen sind weit häufiger von Inkontinenz betroffen als Männer (Getliffe & Dolman, 2003; Laycock & Haslam, 2004; LPZ, 2005). Darüber hinaus tritt eine Inkontinenz häufiger bei Menschen in Pflegeeinrichtungen als bei Menschen, die unabhängig zu Hause wohnen, auf.

 

Inkontinenz wirkt sich direkt auf die Kostenentwicklung im Gesundheitssystem aus. Dem niederländischen Krankenkassenverband (CVZ) zufolge betrugen die für Inkontinenzmaterialien geleisteten Vergütungen 2005 insgesamt € 128 Millionen (http://www.ggzbeleid.nl/pdfmacro/CVZorgcijfers2000_2005.pdf). Die Kosten für weitere Hilfsmittel sowie die Diagnostik, Behandlung und Pflege infolge von Inkontinenz sind darin nicht enthalten.
Auf landesweiter Ebene standen in den Niederlanden in der Vergangenheit kaum Daten über die Prävalenz von Inkontinenz zur Verfügung. Darum ist die ihre Prävalenz seit 2004 fester Bestandteil der LPZ-Erhebung. Aus den Daten der LPZ-Erhebung geht hervor, dass die Prävalenz in den Einrichtungen sehr hoch ist (siehe Abbildung 1). Es ist daher von Bedeutung, der Prävalenz, Prävention und Behandlung von Inkontinenz besondere Aufmerksamkeit zu widmen, wie auch im Expertenstandard Förderung der Harnkontinenz gefordert (DNQP 2007). Eine bessere Pflege für die Inkontinenzbetroffenen bedeutet auch eine Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Personen und eine mögliche Senkung der Krankheitskosten (Holroyd & Staus, 2004; Smith & Louis Moy, 2004).

 Abbildung 1: Prävalenz von Urininkontinenz laut LPZ-Erhebung


Erhebung

Im allgemeinen Teil der LPZ-Erhebung geht es unter anderem um die Frage, ob der Patient von Urininkontinenz betroffen ist und wenn ja, wie häufig diese auftritt und wann die Inkontinenz zum ersten Mal festgestellt worden ist. Ferner geht es darum, ob die Urininkontinenz diagnostiziert wurde und wenn ja, wer die Diagnose gestellt hat.
Daran kann sich ein tiefergehendes Modul anschliessen, das derzeit noch nicht in der Schweiz eingesetzt wird. Dieses geht genauer auf die Prävention und Behandlung von Inkontinenz und Inkontinenzfolgen ein. Neben der Urininkontinenz wird auch die Stuhlinkontinenz erfasst. Ausserdem kommen verschiedene Merkmale der Inkontinenz zur Sprache, unter anderem Häufigkeit, Zeitpunkt, Menge und Entstehungsort der Inkontinenz. Auch die Massnahmen, die bei Inkontinenz getroffen wurden, werden mit diesem Modul erfasst. Auf Spital- sowie auf Institutionsebene werden eine Anzahl von Qualitätsindikatoren erhoben. Das Modul Inkontinenz bietet einen Einblick in die Frage, warum von einer hohen oder niedrigen Prävalenz die Rede ist und in welcher Hinsicht Entwicklungspotential vorhanden ist, um die Qualität der Pflege auf dem Gebiet von Inkontinenz zu optimieren. Die jährliche Erhebung dieses Modul ermöglicht es, das Ausmass der Inkontinenz in Ihrer Institution einzuschätzen sowie bei Bedarf Verbesserungsprozesse einzuleiten
 


Inkontinenzfolgen

Dekubitus und Inkontinenzfolgen werden häufig miteinander verwechselt. Dabei ist es von großer Bedeutung, zwischen druckbedingten Schädigungen und solchen hervorgerufen durch eine Inkontinenz richtig zu unterscheiden. Nicht nur Form und Farbe der Schädigung geben Aufschluss über deren Art, auch Aspekte wie die Stelle, an der die Verletzung auftritt, sind bei der Beurteilung von Bedeutung (Inkontinenzfolgen treten beispielsweise auch an Stellen auf, an denen keine Druckpunkte durch hervorstehende Knochen vorhanden sind).

 

Inkontinenz, vor allem aber auch der dauerhafte Kontakt der Haut mit Urin, ist mit regelmäßig auftretenden Hautschädigungen verbunden. Durch die ätzende und feuchte Wirkung von Urin wird die Haut aufgeweicht. Es kommt zu einer Rötung der Haut. Die oberen Hautschichten werden beschädigt. In Höhe der Analfalte sind häufig spaltförmige Verletzungen mit weißen, aufgeweichten Rändern zu erkennen, die auf eine Inkontinenzfolge hindeuten. Weitere Merkmale von Inkontinenzfolgen sind die violette Farbe, Ödembildung/ Schwellungen und eine feuchte Haut.

Für eine Vergrößerung bitte Fotos anklicken.

 

WICHTIGER HINWEIS: Pilzinfektionen sind keine Inkontinenzfolgen.

 

Literaturverzeichnis

  • College voor zorgverzekeringen (2005) CVZorgcijfers 2000-2005. Diemen.
  • Du Moulin MFMT, Hamers JPM, Paulus A,  Halfens RJG (2005). Effectiviteit van een integrale aanpak van de incontinentieproblematiek. Verpleegkunde, 20(4): 278.
  • Getliffe K, Dolman M, (2003). Promoting continence; a clinical and research resource. 2nd ed. Baillière Tindall.
  • Holroyd-Leduc JM, Straus SE (2004). Management of urinary incontinence in woman: scientific review. Journal of the American Medical Association, 291(8): 986-95.
  • Gezondheidsraad (2001). Urine-incontinentie. Den Haag: Gezondheidsraad. Publicatienummer 2001/12.
  • Landelijke Prevalentiemeting Zorgproblemen: Rapportage resultaten (2005). Hoofdstuk 4: Incontinentie. Maastricht: Datawyse/ Universitaire Pers Maastricht
  • Laycock J, Haslam J (2004). Therapeutic management of incontinence and pelvic pain: pelvic organ disorders. 3rd ed. London: Springer–Verlag.
  • Smith AL, Louis Moy M (2004). Modern management of woman with stress urinary incontinence. Ostomy Wound Management, 50(12): 32-39.
  • Wit J de (2003) Monitor hulpmiddelen 2003. Diemen: CVZ, 2003a.

 

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