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LPZ-Erhebung: Pflegeproblemen - Dekubitus

Dekubitus

Der Begriff “Dekubitus” ist vom lateinischen Wort “decumbere” abgeleitet, was “sich niederlegen” bedeutet. Das Phänomen Dekubitus ist so alt wie die Menschheit. Bereits im Mittelalter wurde bei kranken Menschen, insbesondere bei sterbenden Patienten/Bewohner, ein Absterben des Gewebes beobachtet. 1777 wurde von Wohlleben das Wort „Dekubitus“ eingeführt. Er sprach von „Gangraena per decubitum“, von Druckgeschwüren durch Wundliegen.

In der Literatur werden neben „Dekubitus“ daher auch die Begriffe „Wundliegen“ und „Druckgeschwüre“ verwendet, während in der englischsprachigen Literatur in der Regel von „pressure ulcers” und „pressure sores” die Rede ist.

Die Mehrzahl der Begriffe weist jedoch nur beschränkt auf die wirklichen Ursachen eines Dekubitus hin: auf den Druck und die Wirkung des Liegens. Dekubitus kann nach einer Richtlinie des niederländischen Qualitätsinstituts für Gesundheitspflege (CBO, 2002) als ein Absterben des Gewebes infolge der Einwirkung von Druck-, Reibe- oder Scherkräften bzw. einer Kombination derselben auf den Körper beschrieben werden. Unter Druck sind Kräfte zu verstehen, die senkrecht auf die Haut einwirken. Unter Scherkräften werden waagerecht auf die Haut einwirkende Kräfte gefasst (beispielsweise auf die Haut am Kreuzbein und Gesäß beim Wechsel von der Sitz- in die Liegeposition in einem Bett). Wird waagerecht ein Druck auf die Haut ausgeübt, der das Haftvermögen der Haut auf der darunter liegenden Schicht übersteigt, wird die Haut von der darunter liegenden Schicht getrennt. In dem Fall sprechen wir von Reibekräften (beispielsweise am Kreuzbein und Gesäß beim Heben und Umlagern von Patienten/Bewohner von der Patientenliege auf ein Bett). Wunden, die durch Reibekräfte entstehen (Schürfwunden), werden nach den belgischen Richtlinien (Defloor et al., 2004) übrigens nicht als Dekubitus eingestuft, da es in diesen Fällen auch nicht zum Absterben von Gewebe infolge von Sauerstoffmangel kommt.

Das European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) und das Qualitätsinstitut für die Gesundheitspflege CBO unterscheiden 4 Dekubitusgrade:

 

Kategorie 1: Rötung der intakten Haut über einem knochigen Vorsprung, die auf leichten Druck hin nicht verschwindet. Weitere klinische Merkmale sind in einer Färbung der Haut, lokale Überwärmung oder Unterkühlung, Ödembildung und eine Verhärtung der Haut. Entscheidend ist, dass die Rötung auf leichten Druck hin nicht verschwindet: wird die Haut mit zwei Fingern oder dem Daumen beziehungsweise einer Decubituslinse eingedrückt, färbt sich die Haut (Rötung) nicht weiß. Bei Personen mit dunkler Hautfarbe ist die Rötung häufig schwer oder gar nicht zu erkennen.
Kategorie 2: Oberflächliche Hautläsionen (Epidermis), eventuell einer Schädigung der darunter liegenden Hautschicht (Dermis oder Lederhaut). Die Schädigung wird in Form einer Blase oder Abschürfung der Haut sichtbar. Innkontinenzassoziierte Dermatis oder Aufweichung der Haut gehören nicht in diese Kategorie. 
Kategorie 3: Hautdefekt mit einer Schädigung bzw. Nekrose der Haut sowie des subkutanen Gewebes (Subkutis). Die Schädigung kann sich bis auf die darunter liegende Bindegewebshaut erstrecken (Faszie), aber Knochen, Sehnen und Muskeln treten nicht hervor. Die Tiefe des Dekubitus der kategorie3 hängt von der anatomischen Lokalisation ab. An Hautarealen mit viel Fettgewebe können Dekubituswunden der kategorie 3 sehr tief sein.
Kategorie 4: Ausgedehnte Zerstörung des Gewebes bzw. Verlust des Gewebes (Nekrose) der Muskeln, des Knochengewebes oder der unterstützenden Strukturen sowie eine mögliche Schädigung der Unterhaut (Epidermis) und Lederhaut (Dermis). Die Tiefe des Dekubitus der kategorie 4 hängt von der anatomische Lokalisation ab. An hautrealen mit viel Fettgewebe können Dekubituswunden der Kategorie 4 sehr tief sein.

 

Seit 1998 wird in den Niederlanden alljährlich die Prävalenz von Dekubitalulcera untersucht. Aus den Erhebungen geht hervor, dass diese ein weit verbreitetes Problem innerhalb der Pflege darstellt. Bis 2004 waren die Ergebnisse der Erhebung relativ stabil und die Zahlen vergleichbar. Seit 2004 scheint die Häufigkeit des Auftretens von Dekubitalulcera jedoch abzunehmen (siehe Abbildung 1; Halfens et al., 2006). Welche Ursache dieser Abnahme zugrunde liegt, lässt sich dabei nur schwer feststellen.

Abbildung 1: Prävalenz Decubitus

 

Dekubitus kommt nicht nur in den Niederlanden häufig vor, sondern ist auch international eine Erscheinung, der große Aufmerksamkeit gewidmet wird (Bours et al., 2002; Dassen et al., 2005). Allgemein betrachtet kommt Dekubitus in den Niederlanden genauso häufig vor wie in vielen anderen Ländern Europas auch. Aus einer Studie des European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) geht jedoch hervor, dass Dekubitus in den südlichen Ländern Europas weniger verbreitet ist (Bours et al., 2002). Auch in Deutschland, wo die gleiche Prävalenzstudie wie in den Niederlanden durchgeführt wird, sind die Prävalenzzahlen bedeutend niedriger (Dassen et al., 2005, Tannen 2004, 2006). Es ist darum von entscheidender Bedeutung, jedes Jahr eine neue Prävalenzerhebung durchzuführen, um zu prüfen, in welcher Hinsicht Verbesserungen möglich sind.

In der Pflege ist vor allem die Dekubitusprophylaxe von großer Bedeutung. Dies zeigt sich auch darin, dass dafür der erste deutsche evidenzbasierte Expertenstandard entwickelt wurde (DNQP 2. Aufl. 2004).

Erhebung

Im allgemeinen Teil der LPZ-Erhebung geht es unter anderem um die Frage, ob der Dekubitus vor oder nach der Aufnahme oder dem Einzug des Bewohners in die eigene Einrichtung entstanden ist und um welchen Grad es sich handelt.

Bei der Erweiterung der Erhebung kann sich ein Modul Dekubitus anschließen, das bisher aber nicht erhoben wird. Dabei wird neben dem Entstehungsort und dem Dekubitusgrad auch das Risiko der Patienten und Bewohner untersucht, einen Dekubitus zu bekommen. Daneben wird geprüft, welche Präventivmaßnahmen getroffen und welche Formen der Behandlung bei Patienten und Bewohnern mit einem Dekubitus eingeleitet wurden. Ferner wird auf Einrichtungsebene und auf der Ebene der Stationen und Wohnbereiche eine Anzahl von Qualitätsindikatoren erhoben. Das Modul Dekubitus bietet der Einrichtung einen Einblick in die Frage, warum von einer hohen oder niedrigen Prävalenz die Rede ist und in welcher Hinsicht Fortschritte möglich sind, um die Qualität der Pflege auf dem Gebiet von Dekubitus zu verbessern. Die jährliche Erhebung dieses Moduls ermöglicht es, Interventionen auszuwerten und damit die effektiven Strategien wählen zu können.

Bradenskala

Die Bradenskala ist ein Instrument zur Messung des Dekubitusrisikos. Um das Risiko einschätzen zu können, werden die Patienten/Bewohner im Hinblick auf folgende sechs Indikatoren beurteilt: das sensorische Empfindungsvermögen, Feuchtigkeit, Aktivität, Mobilität, Ernährung sowie die Reibe- und Scherkräfte.

 

Für jeden Indikator kann ein bestimmter Punktwert eingetragen werden. Der Wert beträgt 1 bis 4 oder 1 bis 3 Punkte. Um das Risiko adäquat einschätzen zu können, muss für jeden Indikator eine Punktzahl angegeben werden. Die Punktzahl ist ein Spiegelbild der körperlichen Verfassung, in der sich der Patient oder Bewohner befindet. Das Messinstrument wird dabei auch für Patienten/ Bewohner ohne Dekubitus ausgefüllt.

Die Punktzahl des Indikators „sensorisches Empfindungsvermögen“ ist aus zwei Komponenten zusammengesetzt. Dadurch ist es möglich, dass die Beurteilung des Patienten/Bewohners anhand der beiden Komponenten zu zwei verschiedenen Ergebnissen führt. Ist dies der Fall, gilt das niedrigere Ergebnis. Bei einer Anzahl weiterer Faktoren sind zwar keine deutlichen Komponenten zu erkennen, in manchen Fällen wird jedoch auf mehr als einen Aspekt verwiesen. In allen diesen Fällen gilt die Regel:

Im Zweifelsfall die Antwort mit der niedrigeren Punktezahl eintragen.

Der Gesamtwert (mindestens 6 und höchstens 23 Punkte) gibt das Risiko wieder, einem Dekubitus zu entwickeln. Ein niedriger Gesamtwert (Ergebnis <20) weist auf ein hohes Dekubitusrisiko hin, eine hohe Punktezahl (Ergebnis >20) steht für ein geringes Risiko.

Sie können hier die Bradenskala herunterladen.

 
Dekubituskategorien

Nachfolgend sehen Sie einige Beispiele für die einzelnen Dekubitusgrade. Für eine Vergrößerung bitte Foto anklicken.

Kategorie 1:
Rötung der intakten Haut, die auf leichten Druck hin nicht verschwindet.

Kategorie 2:
Oberflächliche Hautläsion und/ oder Blasenbildung und/ oder Abschürfung der Haut, jedoch ohne eine Schädigung des darunter liegenden Gewebes.
  

Kategorie 3:
Hautläsion der Oberhaut und Lederhaut (oberflächiger Dekubitus).
 

Kategorie 4:
Hautläsion der Oberhaut und Lederhaut mit einer Schädigung der darunterliegenden Knochen, Sehnen oder Gelenkkapseln (tiefer Dekubitus).
 

 

Literaturverzeichnis

  • Bours GJJW, Defloor T, Wansink S, Clark M. (2002). Summary report on pressure ulcer prevalence: data collected in Belgium, Italy, Portugal, Sweden and the United Kingdom over the 14th and 15th of November 2001: EPUAP.
  • Bours GJJW, RJG Halfens, SW Wansink (2002). Landelijk Prevalentie Onderzoek Decubitus: resultaten vijfde jaarlijkse meting 2002. Maastricht: Universiteit Maastricht, ISBN 90 -806663-2-7.
  • CBO (2002). Richtlijn decubitus. Utrecht: CBO.
  • Dassen T, et al. (2005). Pflegeabhängigkeit, Sturzereignisse, Inkontinenz, Dekubitus Prevalenze. Berlin: Charité, Institut für Medizin-/Plegepädagogik und Plegewissenschaft.
  • DNQP, Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (Ed.). (2004). Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2. Aufl. mit aktualisierter Literaturstudie. Osnabrück: Fachhochschule Osnabrück.
  • Defloor T, Herremans A, Grypdonck M et al. (2004). Herziening Belgische richtlijnen voor Decubituspreventie. Brussel: Federaal Ministerie van Sociale Zaken, Volksgezondheid en Leefmilieu.
  • Halfens RJG, Janssen MAP, Meijers JMM, Wansink SW(2006) Landelijke Prevalentiemeting Zorgproblemen: Resultaten negende jaarlijkse meting 2006, Maastricht: Universiteit Maastricht, ISBN-10: 90-806663-7-8 ISBN-13: 978-90-806663-7-5
  • Tannen A, Dassen T, Bours GJJW, Halfens RJG (2004). A comparison of pressure ulcer prevalence: concerted data collection in the Netherlands and Germany. International Journal of Nursing Studies, 41(6): 607-12.
  • Tannen A, Bours G, Halfens R, Dassen T. (2006). A comparsion of pressure ulcer prevalence rates in nursing homes in the Netherlands and Germany, adjusted for population characteristics. Research in Nursing & Health, 29(6), 588-596.

 

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